1&1 beschwert sich über Hinhaltetaktik der Konkurrenz

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Die Auktion der 5G-Lizenzen im vorigen Juni sorgte für jede Menge Aufmerksamkeit und eine Prise Optimismus: Das Interesse der Anbieter war groß, sie legten im Bieterverfahren insgesamt 6,6 Milliarden Euro auf den Tisch. Mit 1&1 Drillisch wagte sich sogar ein Unternehmen vor, das – anders als die anderen erfolgreichen Bieter Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone – noch gar kein eigenes Netz betreibt.

Vorstandschef Ralph Dommermuth versprach, in Deutschland ein eigenes, viertes Mobilfunknetz aufzubauen. Er knüpfte das allerdings an die Bedingung, dass einer der etablierten Anbieter seine Kunden weiter versorgen muss, wenn die aus den 1&1-Netz-Neubaugebieten herausfahren – dafür müsse es ein “National Roaming” geben, forderte er im SPIEGEL-Interview. Die Auktionsregeln sahen zumindest vor, dass die Anbieter darüber verhandeln müssen (“Verhandlungsgebot”).

Beschwerde beim politischen Beirat der Bundesnetzagentur
Mehr Wettbewerb und ein großes Interesse an der neuesten, superschnellen Mobilfunk-Generation: Es sah ganz so aus, als könnte der Standort zumindest in Sachen 5G etwas von seinem Rückstand bei digitalen Infrastrukturen aufholen – das wäre im Sinne der Bundesregierung, die das Ziel ausgerufen hatte, Deutschland solle “Leitmarkt für 5G” werden. Doch bislang steht nur eine dreistellige Anzahl 5G-fähiger Masten, die kleine Radien inmitten von Ballungsräumen abdecken. Und 1&1 Drillisch hat noch gar nicht mit dem Aufbau angefangen.

Denn auch neun Monate nach der Auktion verlaufen die Gespräche über die Netzmiete aus Sicht von 1&1 Drillisch so schleppend und unbefriedigend, dass sich das Unternehmen nach SPIEGEL-Informationen nun beim politischen Beirat der Bundesnetzagentur über die Wettbewerber beschwert hat. Offenbar fürchtet man, dass etablierte Betreiber wie die Telekom die Gespräche absichtlich verzögern, um ihren Vorsprung auszubauen – oder sogar darauf setzen, Drillisch könne die eigenen Netzpläne frustriert aufgeben und seine Frequenzen weiterverkaufen.

Der Beirat der Netzagentur hat wegen der Beschwerden alle Anbieter aufgefordert, sich zum Verlauf und dem Stand der Verhandlungen zu äußern. In seinem Antwortschreiben an den Beiratsvorsitzenden Joachim Pfeiffer (CDU) weist der scheidende Deutschlandchef der Telekom, Dirk Wössner, die Vorwürfe zurück. Die langwierigen Gespräche erklärt er unter anderem mit technischen Schwierigkeiten. “National Roaming” sei “kein Standardprodukt” und müsse “vollständig neu konzipiert werden”, heißt es in dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt.

Telekom will prüfen, “ob wir der Bitte von 1&1 nachkommen können”
Im Übrigen habe 1&1 Drillisch jüngst seine Verträge mit Telefónica verlängert, die auch die Möglichkeit vorsähen, von den Spaniern nationales Roaming zu beziehen. Gegenüber der Telekom habe das Unternehmen jedenfalls bis Ende Januar “keinerlei Signal” gegeben, dass die Zeit dränge. Der Wunsch nach einem schnellstmöglichen Angebot löse bei ihm daher “Verwunderung” aus. Man handle aber weiter “in gutem Glauben” und “prüfe, ob wir der Bitte von 1&1 nachkommen können”.

Bei 1&1 Drillisch erinnert man sich an die Gespräche deutlich anders. Man habe “stets deutlich gemacht, einen zügigen Vertragsschluss anzustreben”, heißt es dort. “Sollte sich keine zeitnahe Lösung abzeichnen, wird die Bundesnetzagentur ihre Schiedsrichterrolle ausüben müssen.” Tatsächlich sahen die Auktionsregeln vor, dass die Behörde in Streitfällen als Schlichter agieren soll.

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