Amazon und Ebay inszenieren sich als Kämpfer gegen Corona-Wucher

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Die US-Internetkonzerne Amazon und Ebay haben vollmundig angekündigt, rigoros gegen Preistreiberei im Zuge der Coronakrise vorzugehen – allerdings vor allem in den USA, wo die Behörden den Unternehmen zunehmend zusetzen. Die Online-Handelsplattform Ebay hat angekündigt, den Verkauf von Atemschutzmasken, Handdesinfizierern und anderen antibakteriellen Reinigungsprodukten auf seiner US-Website zu verbieten. Amazon will Verkäufer, die die Angst vor dem Coronavirus ausnutzen, verklagen und teilte in einem Brief an den US-Senator Edward Markey mit, mehr als eine Million Produkte von Händlern aus dem Angebot entfernt zu haben.

In Europa scheint das Engagement nicht ganz so groß. Auf der deutschen Ebay-Website kann man noch immer Desinfektionsmittel und Schutzmasken kaufen. Händler bieten dort fünf einfache OP-Mundschutzmasken für 15,90 Euro an, während ein Apotheken-Shop 50 davon für knapp den doppelten Preis anbietet. Einen Liter Handdesinfektion verkauft ein gewerblicher Händler auf Ebay für 41,90 Euro, ein Privatverkäufer sogar für 75 Euro, obwohl das Mittel im Apothekenshop weniger als 20 Euro kostet. Ein Händler auf Amazon bietet die 1-Liter-Flasche sogar für 169 Euro feil, ein anderer für 73 Euro.

Weltweit sind knapp 100.000 Infektionen und mehr als 3300 Todesfälle bestätigt. Die Angst vor dem Virus bringt viele Menschen dazu, sich schnellstmöglich mit Desinfektionsmitteln und Mundschutz einzudecken. Unseriöse Händler nutzen die Nachfrage für Wucherpreise. Italien hat deshalb bereits eine umfangreiche Untersuchung eingeleitet und dabei auch Büros von Amazon und Ebay durchsucht, sowie Computer sichergestellt.

Schon lange kritisieren europäische Behörden, dass die großen Onlinemarktplätze ihre Händler kaum kontrollieren und deren Angebote auch dann nicht stoppen, wenn die gegen Gesetze verstoßen. Die EU arbeitet derzeit an neuen Regelungen für den Onlinehandel, damit Betrug und Gesetzesverstöße auf den Plattformen verhindert werden. Bisher ziehen sich die Marktplatzbetreiber auf die Position zurück, dass sie für die Angebote der Händler nicht verantwortlich sind.

Ihr striktes Vorgehen im Zuge der Coronakrise kündigten die Konzerne bislang vor allem für den Heimatmarkt USA an. “Wir haben Tausende von Konten von Verkäufern, die sich an Preisabsprachen beteiligt haben, gesperrt und wir haben begonnen, mit mehreren Staatsanwälten zusammenzuarbeiten, um die schlimmsten Übeltäter zu verfolgen”, schreibt Amazon in dem Brief an US-Senator Markey.

Der US-Senator hatte sich zuvor an Amazon gewandt und das Unternehmen schriftlich aufgefordert, Drittanbieter daran zu hindern, die Preise für Artikel wie Handdesinfektionsmittel in die Höhe zu treiben. Markey sagte, er habe herausgefunden, dass eine Packung mit 24 Flaschen, die eigentlich 10 Dollar koste, bei Amazon für 400 Dollar verkauft wurde.

Intransparente Preisgrenzen für Wucher
“Bei Amazon gibt es keinen Platz für Preistreiberei”, sagte ein Konzernsprecher in einer Erklärung. Amazon überwache sein Geschäft aktiv und entferne Angebote, die gegen die Konzern-Richtlinien verstießen. Das Unternehmen habe zudem mit manuellen Prüfungen von Produkten in den Onlineshops begonnen, um Verkäufer ausfindig zu machen, die Artikel “zu unfairen Preisen” anbieten.

Amazon verweist darauf, dass nach den Regeln seines Marktplatzes Produktinformationen korrekt sein müssten und der Konzern Angebote ablehnen könne, die das Vertrauen der Kunden verletzten, beispielsweise wenn die Preise “deutlich höher sind als die kürzlich bei oder außerhalb von Amazon angebotenen Preise”. Der Konzern behält allerdings für sich, ab welchem Schwellenwert ein Artikel als unangemessen teuer gilt.

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