Auf der Schwelle zur Spitzenmannschaft

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Marcus Thuram, Breel Embolo, die halbe Gladbacher Bank, sie alle fassten sich in der 80. Minute mit beiden Händen an den Kopf, konnten es nicht glauben. Nach einer flachen Hereingabe von Thuram setzte Embolo den Ball aus kurzer Distanz knapp vorbei. Es wäre das 2:2 im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund gewesen, wohl immerhin ein Punktgewinn – und durchaus ein verdienter. Sie waren wieder nah dran, aber wieder reichte es nicht.

So gratulierte Gladbachs Trainer Marco Rose nach dieser 1:2-Niederlage einmal mehr seinem BVB- Kollegen Lucien Favre. “Ich bin froh, dass Dortmund nicht nochmal kommt. Dreimal reicht. Dreimal knapp. Mit guten Leistungen, ohne Ergebnis”, resümierte er die diesjährigen Duelle in Liga und Pokal.

Sein Team spielt eine sehr gute Saison, war in der Hinrunde wochenlang Tabellenführer. Jetzt ist es Fünfter, kann im Nachholspiel am Mittwoch gegen Köln immerhin wieder auf Rang vier springen. Aber nach bisher sechs Pflichtspielen gegen das Top-Trio Bayern, Dortmund und Leipzig lautet die Bilanz: ein Sieg, ein Remis, vier Niederlagen. Borussia Mönchengladbach ist (noch) kein echtes Topteam, steht vielmehr auf der Schwelle zur Spitzenmannschaft. Das Potenzial ist da, um Dortmund, Bayern und Leipzig gefährlich zu werden. Aber dafür muss jetzt sehr viel richtig laufen.

“Was teilweise noch fehlt, ist es, in solchen Spielen wie heute auch zu punkten”, sagte Jonas Hofmann. Schon gegen Leipzig brachte sich sein Team nach überragender erster Hälfte um einen Sieg. Gegen die starke BVB-Offensive ließ Gladbach nun lange kaum etwas zu, war selbst gefährlich, ermöglichte dann aber zwei Treffer durch Unachtsamkeiten. Vor dem 0:1 spielte Lars Stindl einen Fehlpass. Vor dem 1:2 lag Erling Haaland am Boden, die Gladbacher dachten, Dortmund würden den Ball ins Aus spielen, waren unaufmerksam und plötzlich war Achraf Hakimi frei durch. “Um eine richtige Spitzenmannschaft zu werden”, müsse man “Prozente draufpacken”, sagte Rose.

Wie nachhaltig ist Gladbachs Erfolg?

Der Trainer ist einer der Gründe, warum es Gladbach zuzutrauen ist, diesen nächsten Schritt zu machen. Mit dem 43-Jährigen hat Sportdirektor Max Eberl dem Verein einen hervorragenden Coach gesichert, der schon in seiner Antrittssaison mit begeisterndem Fußball Erfolg hat. Und auch was den Kader angeht, hat Eberl viele richtige Entscheidungen getroffen. Hohe Transfereinnahmen durch Abgänge von Granit Xhaka, Jannik Vestergaard oder Thorgan Hazard hat der Sportdirektor gut reinvestiert. Matthias Ginter, Alassane Pléa, Thuram – sie alle haben sehr schnell funktioniert und die Mannschaft besser gemacht.

Ein dritter Verdienst Eberls: Fast alle wichtigen Spieler haben langfristige Verträge. Erst Ende des Jahres verlängerten Yann Sommer, Christoph Kramer, Florian Neuhaus und Laszlo Benes innerhalb kürzester Zeit. Auch Matthias Ginter und Kapitän Lars Stindl (Verträge bis 2021), der nach langer Verletzung gerade wieder aufblüht und gegen Dortmund sein fünftes Tor in den vergangenen vier Spielen erzielte, sollen ihre Zukunft in Gladbach sehen.

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