“Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, der so nicht mehr zu tolerieren ist”

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Es dauert noch eine Weile bis zum 34. und letzten letzten Spieltag der Bundesliga, aber die Ansetzung der Partie Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim erscheint aufgrund der aktuellen Eskalation im Fall “Fanszenen gegen Dietmar Hopp” schon knapp drei Monate vorher höchst brisant. Beim Blick auf den kommenden Spieltag dürfte bei Verbänden und Vereinen aber schon ein flaues Gefühl einsetzen. Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund, das sind zwei Klubs, die wesentlicher als andere zu der Entwicklung beigetragen haben. Die Fans des BVB sind für die nächsten beiden Spielzeiten nach wiederholten Schmähungen Hopps vom Besuch des Auswärtsspiels in Sinsheim ausgeschlossen worden. Die Gladbacher Fans reagierten auf die Kollektivstrafe gegen den mit ihnen alles andere als freundschaftlich verbundenen Anhang mit einem geschmacklosen Plakat, das den Mehrheitseigner der TSG im Fadenkreuz zeigte.

Das schmucklose 1:0 des BVB gegen den SC Freiburg war daher schnell abgehakt, die Protagonisten mussten Fragen beantworten, was sie zu tun gedenken, um zu deeskalieren. Sie wussten es nicht, schon gar nicht kurz nach einem Fußballspiel. Sie wussten nur, dass sie etwas tun müssen, dass sie reden müssen, unter den Vereinen, mit den Verbänden. Vermutlich wird es auch Treffen mit Fanvertretern geben. Die Chance, dass die ihre Schmähungen auf Null herunterfahren, dürfte gering sein, trotz der Gefahr, dass in letzter Instanz ein Spiel abgebrochen und für die eigene Mannschaft als verloren gewertet wird.

“Das ist nicht im Sinne des Fußballs”
“Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, der so nicht mehr zu tolerieren ist. Wenn du auf verschiedenen Plätzen auf der Schwelle zum Spielabbruch stehst, dann ist das nicht im Sinne des Fußballs. Es ist scheiße”, sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc.

Freiburgs Trainer Christian Streich holte weit aus, nachdem er eingestanden hatte, auch keinen Lösungsansatz zu haben. Er erwähnte den Rechtsruck, Hetze gegen Menschen, die AfD, er erinnerte an die Weimarer Republik und forderte: “Wehret den Anfängen!” Weiter sagte er: “Wenn das so weitergeht, gehen wir alle vom Platz und nach Hause.”

Zorc hielt die kurze Unterbrechung des Schiedsrichters mit der Bitte um eine Durchsage nach beleidigenden Rufen kurz nach der Pause für berechtigt. Die Vereine seien vor der Partie auch explizit darauf hingewiesen worden, dass der zunächst wegen rassistischer Vorfälle konzipierte Drei-Stufen-Plan streng umgesetzt werde. Schiedsrichter Robert Hartmann verzichtete allerdings darauf, nach erneuten Schmähungen gegen Hopp das Spiel nochmals zu unterbrechen.

Das Thema wird im Vorfeld der Partie zwischen den Gladbachern und dem BVB sportlich höchst interessante Lage überlagern. Dortmund gewann sechs der sieben Rückrundenspiele und weist wie Gladbach einen überschaubaren Rückstand auf den Tabellenführer aus München auf.

Wenn der BVB überlegt, aus welchen Spielen dieser Rückstand rührt, dürfte ihm vor allem die Serie von drei Unentschieden in der Hinrunde einfallen. Bei Eintracht Frankfurt, gegen Werder Bremen und beim SC Freiburg gab es jeweils trotz zwischenzeitlicher Führungen nur ein 2:2.

In der Rückrunde holten die Dortmunder gegen diese Mannschaften nun drei Siege bei 7:0 Toren.

Es war allerdings mehr der schwachen “Abschlussqualität” der Freiburger, die Christian Streich seit Wochen beobachtet, geschuldet als der eigenen Stärke in der Defensive, dass die Serie hielt. Der BVB spielte träge, nur selten brachte er Tempo ins Spiel, so aber vor dem bereits 14. Saisontor von Jadon Sancho. “Es war kein Spektakel, aber das Ergebnis zählt”, sagte Raphaël Guerreiro. Wenigstens einer, den das Ergebnis interessierte.

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